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Historische Hintergründe

 

Der Puritanismus und die Teufelsangst

1629 Die ersten Puritaner in Neuengland
Die Bewohner von Salem im Jahre 1692 waren verfolgte und geflüchtete englische Puritaner, die die Kolonie Neuengland im heutigen Bundesstaat Massachusetts besiedelten und prägten. 1629 flüchteten die ersten 400 und als in England der Druck auf die Puritaner wuchs sich der Anglikanischen Kirche unterzuordnen, brachen immer mehr auf. Ende 1631 zählte die Kolonie bereits über 2000 Einwohner. Als Massachusetts Bay Company sicherte sich die Kolonie weitgehende Autonomie und Selbstverwaltung. Nach ihrem   Glauben sollte die Regierung die Moral Gottes durchsetzen.

Puritanismus
Kernstück des Puritanismus, eine Form des Calvinismus, war der unbedingte Glaube an die eigene Auserwähltheit. Sie glaubten, dass nur die von Gott Erwählten „Puritans“ (die Fehlerlosen/Reinen) gerettet würden, und dass die biblische Lehre im Gemeinde- und Privatleben kompromisslos angewendet werden muss. Ein einfaches, vom Fleiß des Einzelnen geprägtes und moralisch einwandfreies Leben und Abkehr von allem, was sie als weltlich ansahen, war Pflicht. Nach puritanischem Glauben war das Leben kein Vergnügen, sondern harte Arbeit. Jegliche Vergnügungen wie Feiern, Tanzen, Schauspiel, Wirtshäuser waren verboten. Sie sahen den Menschen als von Natur aus völlig verworfen an, nur im Puritanismus gab es Rettung. Sie wurden von ebenso wortgewaltigen wie fanatischen Laienpredigern beherrscht.


Die Bedrohung von außen

Die Puritaner sahen den Teufel hinter allen weltlichen Aktivitäten. Das wurde auch in den Predigten zum Ausdruck gebracht, wo das Höllenfeuer ein beliebtes Thema war. Der Teufel bedrohte ihre Gemeinschaft!
Die anfangs friedlichen Beziehungen zu den indianischen Ureinwohnern mündeten bald in blutigen Konflikten. Ende des 17. Jahrhunderts konnten sich die Siedler nur noch mit schussbereiter Waffe durchs Land wagen, weil überall feindliche Indianer lauerten. Selbst bei Feldarbeiten hatten die Farmer eine geladene Waffe immer in Griffweite. Immerhin verlor jeder zehnte Siedler in Neuengland sein Leben bei Indianerangriffen!
Da die Indianer schon wegen ihres Erscheinungsbildes für europäische Augen befremdlich wirkten, hatten puritanische Prediger leichtes Spiel, sie als Teufel und Dämonen zu verdammen. In bis zu fünfstündigen glühenden Predigten stellten sie die amerikanischen Puritaner als eine Armee Gottes dar, deren Feinde Satan und seine Dämonen seien.

Die Bedrohung von innen
Neben der Bedrohung von außen gab es große Spannungen innerhalb der puritanischen Gesellschaft. Neuengland wurde mehr und mehr zu einer Handelskolonie, und sowohl Puritaner als auch Nicht-Puritaner verdienten eine Menge Geld, was die Puritaner zugleich als notwendig und sündig ansahen. Das Ansehen der Kaufleute wuchs, das Ansehen der Geistlichen hingegen sank.
Das halbe Dorf bestand aus Bauern, die den Geistlichen Samuel Parris in seinem Bestreben unterstützten, sich von der Stadt Salem loszulösen und eine selbstständige Gemeinde zu bilden. Die andere Hälfte der Dorfbewohner wollte Teil der Stadtgemeinde bleiben und die Handelsbeziehungen aufrecht erhalten und verweigerte dem Geistlichen und seiner Familie die finanzielle Unterstützung. Zusätzlich hatten eine Reihe von vor Indianerattacken Geflüchteter in Salem bei Verwandten Unterschlupf gefunden und brachten Horrorgeschichten über die schwarzen Gottlosen mit.
Nach politischen Vertragsänderungen und nach einem Aufstand von 1689 war die Kolonie übergangsweise eine Provinz und schwebte politisch in großer Unsicherheit.


Was wirklich geschah in Salem 1692
I
m 17. Jahrhundert kam mit den gottesfürchtigen Siedlern aus dem alten Europa ein grausames Feuer mit über den Atlantik in die neue Welt: Der Hexenwahn. Bis dahin hatten in den nordamerikanischen Kolonien nur vereinzelt Fälle von Hexenverfolgung stattgefunden.
Die Hexenprozesse in Salem, im heutigen Bundesstaat Massachusetts, im Jahr 1692 bildeten den Beginn einer grausamen Hysterie von Verhaftungen, Anklagen und Hinrichtungen. In ihrem Verlauf wurden 20 Beschuldigte hingerichtet, 55 Menschen unter Folter zu Falschaussagen gebracht, 150 Verdächtigte inhaftiert und weitere 200 Menschen der Hexerei beschuldigt!
Die Anschuldigungen dehnten sich in Neuengland innerhalb weniger Monate auf die umliegenden Gemeinden bis nach Boston aus.

Die Hexenjagd
Doch alles begann in der Nähe der Stadt Salem. Im Winter 1691/1692 begannen Elisabeth „Betty“ Parris und Abigail Williams, die Tochter und die Nichte des Geistlichen Samuel Parris sich auffällig zu verhalten, insbesondere seltsam zu sprechen, sich unter Dingen zu verstecken und auf dem Boden zu kriechen. Keiner der bestellten Ärzte konnte das Leiden der Mädchen medizinisch erklären. Ein Arzt bekundete, dass sie nur vom Teufel besessen sein könnten. Neben den beiden Mädchen Betty und Abigail wurden auch Ann Putnam, Mary Warren und andere bedrängt, Namen von Personen zu nennen, von denen die Mädchen besessen und verhext seien.



Sie beschuldigten zunächst die drei armseligen, wehrlosen Frauen Sarah Good, Sarah Osborne und Tituba. Sarah Good war eine stadtbekannte Bettlerin, Tochter eines französischen Gastwirts; ihr wurden häufige Selbstgespräche nachgesagt. Sarah Osborne war eine bettlägerige ältere Frau, die die Kinder ihres ersten Mannes um ihr Erbe gebracht haben sollte, indem sie es ihrem neuen Mann geschenkt hatte. Tituba war eine indianische oder schwarze Sklavin des Geistlichen Samuel Parris.
Die noch junge Puritanistischen Kolonie Neuengland (Siedlungsbeginn war 1629, 1630 zählte man 2000 Einwohner) war nach politischen Vertragsänderungen und nach einem Aufstand von 1689 gänzlich ohne formale Regierung. Ständig unter der Bedrohung durch Indianer regierte sich die Dorfgemeinschaft selbst. Sie glaubte den Hexenanschuldigungen der Mädchen.

Die Hinrichtungen
Das Gericht verurteilte alle Beschuldigten wegen Hexerei zum Tod. Die Perversion der Hexenprozesse liegt auf der Hand: Wer leugnete, wurde hingerichtet, wer gestand, dem wird das Leben geschenkt – unter der Bedingung, dem Gericht weitere Namen preiszugeben. Dutzende rechtschaffener Bürger wurden verurteilt und durch den Strang hingerichtet.
Bis auf eine Ausnahme: Die Hinrichtungen der schwangeren Elisabeth Proctor und einer weiteren Frau wurden auf die Zeit nach der Geburt verschoben. Bei vier Exekutionen im Verlauf des Sommers wurden 19 Personen gehängt, darunter ein Geistlicher, ein Gendarm, der sich geweigert hatte, weitere der Hexerei Verdächtigte festzunehmen, und mindestens drei weitere bisher angesehene Persönlichkeiten. Sechs der Hingerichteten waren Männer, die anderen meist verarmte Frauen höheren Alters. Der 80-jährige Bauer Giles Corey hatte während der Verhandlung seine Aussage verweigert und wurde deshalb nicht erhängt, sondern am 19. September 1692 durch Zerquetschung mit Steinen hingerichtet.


Während der Hexenprozesse in Salem wurden Ernten nicht gepflegt und Rinder vernachlässigt. Sägemühlen standen still, weil entweder die Eigentümer vermisst wurden, ihre Arbeiter verhaftet waren oder sie als Schaulustige Gefängnisse und Prozesse besuchten. Einige Angeschuldigte flüchteten. Der Handel kam fast zum Erliegen, während die Bedrohung durch Indianer im Westen blieb.

Das Ende
Bostoner Geistliche erhoben am 3. Oktober 1692 gegen die Hexenprozesse einen Einspruch (mit dem Titel „Cases of Conscience Concerning Evil Spirits“), in dem festgestellt wurde, es sei besser, wenn zehn verdächtigte Hexen entkämen, als wenn eine unschuldige Person verurteilt würde. Somit endeten die Hexenprozesse im Januar 1693. Erst im Frühjahr des Folgejahres wurden die letzten Verhafteten freigelassen.

Warum Hexenhysterie?
Über die Gründe für die schlagartige Hexenhysterie in Salem gibt es verschiedene Theorien, die sich hauptsächlich in der politischen Situation und der extremen Teufelsangst der Puritaner begründen. Manche Historiker meinen, die „besessenen“ Mädchen hätten unter Wahnvorstellungen gelitten, die auf eine Mutterkornvergiftung durch verseuchtes Getreide und daraus resultierende Fälle von Ergotismus zurückzuführen wären. Andere Theorien umfassen Kindesmisshandlung, Wahrsagerei und fehlgeleitete Experimente. Weiter kommt auch eine Intrige der Familie Putnam gegen die Familie Porters in Frage.
Als Ergebnis war Salem 1691 ein Pulverfass und die Reihe von scheinbar besessenen jungen Mädchen passte perfekt in das Angstbild der Teufelei und zündete als Funke einen grausamen Flächenbrand der Hexenhysterie. Nicht zufällig gehörte zu den ersten beschuldigten „Hexen“ die Indianerin (bzw. schwarze) Tituba.

Arthur Millers Drama von 1953
Arthur Miller erzählt in seinem Drama „Hexenjagd“ von 1953 die wahre Geschichte der Hexenprozesse in Salem. Er hebt in einer Anmerkung ausdrücklich hervor, dass das Schicksal jeder einzelnen Gestalt genau dem ihres geschichtlichen Vorbildes entspricht. Aus dramaturgischen Gründen hat Miller verschiedene Gestalten in einer verschmolzen und auch das Alter Abigail Williams heraufgesetzt und die Vorgeschichte ausgeweitet.
Arthur Miller wendet sich mit seinem Drama gegen Angst und Massenwahn, gegen Denunziation, Gesinnungsschnüffelei und gegen den Missbrauch politischer Macht und zeigt die Angst als Treiber der Massen.
Die Thematik des Stückes und sein soziales Engagement trugen dazu bei, dass Miller in den 1950er Jahren in den Zeiten der amerikanischen Kommunistenjagd als Amerikagegner verdächtigt und wegen Verweigerung der Aussage zu einer Gefängnis- und Geldstrafe verurteilt wurde.

(c) Alle Bilder: wikipedia